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Workshop 2017: "Was nicht auf dem Notenpult steht" - Historische Improvisation im Instrumentalunterricht

Am Sonntag, den 07. Mai 2017 fand in den Räumen der HMTM Hannover der zweite Workshop unseres Netzwerkes statt. Überschrieben war der Tag mit: "Was nicht auf dem Notenpult steht - Historische Improvisation im Instrumentalunterricht - Ideen für das Improvisieren im Unterricht an Musikschulen". Als Dozent war Martin Erhardt zu Gast. Er hatte sich eine Gruppe von 14 Lehrenden der Musikschule sowie Studierenden der HMTM gefunden, die sich gemeinsam mit Improvisation auseinandersetzen wollten.

Nach der Begrüßung sowie einer kurzen Vorstellungsrunde wurde in einer Einführung durch Marcus Aydintan die historische Rolle der Improvisation und die Bedeutung improvisatorischer Anteile im Unterricht erläutert. Danach ging es sofort in die Praxis: Durch Singen der Unter-Sext von Volksliedern wie "Der Mond ist aufgegangen" wurde das Singen einer zweiten Stimme ohne Noten erprobt. Daran anschließend wurden Modelle wie der Lamento-Bass vorgestellt und charakteristische Oberstimmenverläufe dazu gesungen.

Im Anschluss übernahm Martin Erhardt. Im ersten Block stand dabei die Beschäftigung mit der Improvisation einer Kanons in Ober- und Unterquinte im Zentrum. Nachdem die Gruppe zunächst den Comes (also den nachsingenden Part) übernahm, wurde die Vorgehensweise gemeinsam analysiert (taktweise) und die möglichen Intervall-Schritte notiert. Daran anschließend sang jede und jeder einmal den Dux. Das Prinzip wurde auf Instrumente wie Blockflöte und Violine übertragen, wobei auch das Auge (durch das Nutzen verschiedener Grundstimmungen der Flöte sowie benachbarter Saiten der Geige) helfen konnte. Da es insbesondere auch um methodische Fragestellungen für den eigenen Unterricht ging, wurde in der Folge das Prinzip vereinfacht: Kanon im Unisono mit Skalen im Terzabstand. Dabei muss die Skala nicht immer komplett durchschritten, sondern es kann an jeder Stelle umgekehrt werden. Mit einbezogen wurden rhythmische Varianten sowie die Möglichkeit zur Modulation durch zusätzliche Vorzeichen. Mit etwas Adaption kann das gleiche Prinzip in Ober- und Unterquinte genutzt werden.

Nach der Mittagspause gab es methodische Impulse. Einer davon: Bekannte Lieder verwenden und jeweils eine Skalenstufe nicht singen, sondern vorstellen - Tonvorstellung ist fundamental für die Hörerziehung. Daneben können Passagen still (innerlich) und auf Handzeichen wieder laut gesungen werden, womit die Stabilität der inneren Vorstellung in Bezug auf Puls und Tonhöhe überprüft werden kann. Als zweite Übung wurde der musikalische Koffer gepackt. Dem bekannten Spiel gleich muss eine Tonfolge erinnert und  wiedergegeben werden - was sich als gar nicht so einfach erwies. Ein weiterer Impuls: Probieren Sie doch mal, ein bekanntes Volkslied in einer anderen Taktart zu singen, Bruder Jakob im Drei-Viertel-Takt zum Bespiel!. Ode nehmen Sie den Beginn eben dieses Liedes und diminuieren Sie die ersten 3 Stufen. Das Motiv kann dann entnommen und beispielsweise über der Skala sequenziert werden. Die Diminution wurde mit dem Modell Passamezzo verknüpft. Nach dem Kennenlernen der Stimmverläufe und der "typischen Orte" für die Diminutionen sollten die entstehenden Motive wiederkehren. Sie wurden in der Folge dialogisch verarbeitet, indem das Motiv übernommen und übertragen werden sollte.

Im Anschluss daran wurde von den Teilnehmenden eine Estampie improvisiert. Die beiden Refrains (einer öffnend, einer schließend) wurden durch Martin Erhardt vorgegeben und stets von allen gespielt, während jede und jeder Teilnehmende eine Strophe improvisierte. Diese soll im Idealfall zweimal in genau gleicher Weise erklingen - was sich ebenfalls als nicht so einfach erwies.

Der gemeinsame Abschluss du die Gespräche, die im Laufe des Tages geführt wurden machten deutlich, dass die Rolle der Improvisation im Unterricht noch deutlich ausbaufähig ist - auch weil viele selbst wenig Erfahrung damit haben. Die positiven Rückmeldungen im Anschluss an den Workshop freuen und ermutigen uns, weitere solche Angebote zu machen. Das Netzwerk "Musiktheorie verbindet" versteht sich in einem Punkt genau als Vermittler der historischen Grundlagen in den heutigen Unterricht hinein.

Workshop 2016: "Improvisation über historische Satzmodelle"

Der erste Workshop unseres Netzwerks "Musiktheorie verbindet" fand am 28. Mai 2016 statt. Das Thema "Improvisation über historische Satzmodelle" lockte zehn interessierte Lehrende niedersächsischer Musikschulen in die Räume der HMTMH. Zusammen mit dem externen Dozenten Michael Spieker wurde den Teilnehmenden zunächst Hintergrundwissen zur Geschichte der Improvisation sowie theoretische Grundlagen zu verschiedenen Bassmodellen vermittelt. In einem Exkurs gab Philipp Sobecki, Masterstudent mit dem Hauptfach Musiktheorie, methodische Anregungen für den Instrumentalunterricht am Beispiel des Menuetts in G-Dur von Christian Petzold (aus dem Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach).

Anschließen wurden die Grundlagen praktisch erprobt. Durch die verschiedenen Instrumente der Teilnehmenden stand uns ein buntes Ensemble aus Flöte, Saxophon, Posaune, Violine, Violoncello, Gitarre und Klavier zur Verfügung. Sowohl in kleinen Gruppen wie auch mit dem ganzen Ensemble konnte erfahren werden, wie mittels Improvisation die musikalische Vorstellung sowie das Hörvermögen gefordert wird und gesteigert werden kann. Methodische Ideen sowie Vorschläge für weitere Veranstaltungen standen im Mittelpunkt der abschließenden Diskussion.

 

Zuletzt bearbeitet: 18.07.2017

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