Vortrag 3: Prof. Dr. Martin Losert

Die Tonika-Do-Methode. Zwischen Frauenrechtsbewegung und nationalsozialistischer Ideologie

Die unterschiedlichen Konzeptionen relativer und absoluter Solmisation blicken auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurück. Ausgehend von der englischen Tonic-Solfa-Methode nach John Curwen und Sarah Ann Glover sowie der französischen Ziffern-Methode nach Pierre Galin, Aimé Paris, Naine und Emil Chevé entwickelten Ende des 19. Jahrhunderts Agnes Hundoegger und Alma Bräuer die Tonika-Do-Methode. Um zu verstehen, was Tonika-Do ausmacht, reicht es nicht, sich deren methodische Konzeption anzuschauen, man muss auch den historischen Kontext mit einbeziehen. So wurde Tonika-Do im Zuge des sogenannte Methoden-Streits als unmittelbare Konkurrenzmethode zum Eitz-Tonwort begriffen. Während letzteres von den überwiegend männlichen Volksschullehrern verwendet wurde, galt Tonika-Do lange Zeit als weibliche Methode, die an privaten Seminaren nur außerhalb der Hochschulen und öffentlichen Lehrerbildungsanstalten verwendet wurde. Dies änderte sich grundlegend in den 1930er Jahren, Tonika-Do avancierte zum Inbegriff nationalsozialistischer musikalischer Erziehung, was die Methode für die Nachkriegsgeneration wiederum als vorbelastet und ungeeignet erscheinen ließ. Ausgehend von der zentralen Persönlichkeit Agnes Hundoegger geht der Vortrag den unterschiedlichen politischen, ethischen und nicht zuletzt musikpädagogischen Strömungen nach.

Referent: Prof. Dr. Martin Losert

 

Zuletzt bearbeitet: 10.05.2019

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